Pferdekauf in Spanien: Darauf sollten Sie achten

Spanische Pferde stehen bei Freizeitreitern ebenso hoch im Kurs wie bei Freunden der klassisch-barocken Dressur. Die Anschaffung eines Pferdes der Rasse PRE oder Cartujano direkt vor Ort birgt jedoch manches Mal seine Tücken. Und immer wieder passiert es, dass der Preis der für den schicken Spanier bezahlt wurde, als Lehrgeld verbucht werden muss. Damit die Freude über den Neuzugang von der iberischen Halbinsel auch beim ersten Pferdekauf ungetrübt bleibt, bietet Franziska Weyer von der Casa Estanque Beratung beim Kauf an, und vermittelt Kontakte zu spanischen Gestüten und Ställen, bei denen ein deutscher Interessent vor unliebsamen Überraschungen sicher ist.


Hofreitschule: Weshalb ist eine Beratung beim Pferdekauf gerade bei Spanischen Pferden so wichtig?


Franziska Weyer: Kauft man ein Pferd direkt in Spanien, muss man bedenken, dass dort der Umgang mit Tieren ein völlig anderer ist und sich darüber im Klaren sein, dass ein Importpferd ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Erziehungsarbeit und Wissen bedarf. Viele drei- und vierjährige Hengste sind im Grunde nicht mal halfterführig, wenn sie hier ankommen und haben meist nur gleichgeschlechtliche Artgenossen erlebt. Wer sie in einem normalen Reitstall aufstallt, darf sich also nicht wundern, wenn der in Spanien noch ach so gelassene Hengst plötzlich sehr hengstig wird. Auch Stuten wachsen meist ohne große Erziehung und Kontakt zum Menschen auf und sind hier manchmal nur schwer handelbar. Oder es dauert Monate, bevor die Tiere den Menschen vertrauen und nicht mehr in Panik geraten, wenn z.B. der Tierarzt kommen muss, das erste Mal der Sattel aufgelegt wird, usw.


Hofreitschule: Gibt es noch mehr Problempunkte?


Franziska Weyer: Die meisten Spanier kennen keine Ankaufsuntersuchung wie sie bei uns üblich ist und selbst wenn man darauf besteht und sogar Röntgenbilder machen lässt, sind diese oft nicht aussagekräftig, weil die Erfahrung beim Röntgen fehlt. Dabei sind Spanische Pferde eher anfällig für OCD's und andere Knochenveränderungen, die auf Mangelernährung in der Aufzucht oder schon der Muttertiere zurückzuführen sind. – Die Fütterung ist ohnehin ein wichtiger Punkt. Wer ein Pferd aus Spanien importiert, sollte vorher nachforschen, was das Tier vor Ort gefressen hat. Viele spanische Pferde kennen überhaupt keine Weidehaltung und reagieren hier mit Rehe, Koliken und auch mit Ekzem auf Futter- und Klimaumstellung.


Hofreitschule: Gerade sein Temperament und sein Charakter machen den Iberer so beliebt. Für wen ist ein Spanier wirklich geeignet?


Franziska Weyer: Ein guter Reiter freut sich über die Lernbegierigkeit und die Leichtrittigkeit der Iberer, denen noch dazu versammelnde Lektionen häufig leichter fallen, als ihren deutschen Warmblutkollegen. Nicht so versierte Reiter verzweifeln genau daran. Spanier mit Qualitäten fürs Dressurviereck haben jedoch auch in Spanien ihren Preis, denn die Spanier haben in den letzten Jahren gerade auf diesem Sektor sehr dazugelernt und können inzwischen die Qualität ihrer Pferde besser beurteilen. Das Gros der spanischen Pferde, die mitunter mittlerweile zu recht günstigen Preisen auf dem Markt ist, eignet sich nicht für das Sportreiten, sind als Freizeitpferde aber gut geeignet.


Hofreitschule: Reicht es aus darauf zu achten, dass ein Pferd aus Spanien gute Papiere hat?


Franziska Weyer: Viele Verkäufer "reiten" wortwörtlich auf dem angeblich so hervorragenden Papier ihrer Verkaufspferde herum. Hier sind genaue Kenntnisse erforderlich, dieses Papier auch wirklich beurteilen zu können. Immer wieder werden auch Pferde mit falschen Abstammungsnachweisen oder falschen Papieren nach Deutschland verkauft ….



Mehr zu diesem Thema lesen Sie in unserer Dezember-Ausgabe 2011.