Pferdekauf in Spanien: Darauf sollten Sie achten

Zirzensische Lektionen mit physiotherapeutischem Wert

Lektionen wie das Steigen, Kompliment oder Hinlegen begeistern bei Show-Vorführungen jeden Zuschauer. Pferde, die an der Hand oder in der Freiheitsdressur diese Lektionen aus dem Repertoire der Zirzensik beherrschen, werden ebenso bewundert, wie ihre Ausbilder. Einige dieser Lektionen erfreuen sich in den letzten Jahren in vielen Ställen zunehmender Beliebtheit gerade als abwechslungsreiches Training im Winter, wenn die Arbeit vorwiegend in der Halle stattfindet. Grund genug, diese Übungen genauer zu hinterfragen.

Grundlage der zirzensischen Übungen sind natürliche Verhaltensweisen und Bewegungsabläufe des Pferdes. So gehört zum Beispiel das Steigen zum Kampfverhalten der Hengste. Damit Pferde die typischen Verhaltensweisen auf Kommando des Menschen hin zeigen, ist ein intensives Training notwendig. Die Tatsache, dass es sich bei den Übungen um arttypische Reaktionen handelt, darf jedoch nicht dazu verleiten, das Training als problemlos und für jedes Pferde geeignet erscheinen zu lassen. Überzeugte Ausbilder aus dem Bereich der Zirzensik schwärmen von den positiven Auswirkungen der Übungen auf das Pferd. Das Selbstbewusstsein des Pferdes werde gestärkt, die Intelligenz gefördert, das gesamte Pferd werde gymnastiziert. Andererseits ist gelegentlich der Einwand zu hören, dass manche Übungen der Gesundheit schaden können. Berechtigter Einwand oder Miesepeterei? Wir haben bei Pferdephysiotherapeutin Dörte Luttmann aus Verden nachgefragt.

„Einige Übungen aus der Zirzensik sind durchaus geeignet Körpergefühl und Balance des Pferdes verbessern“ erklärt die erfahrene Behandlerin. Bei anderen Lektionen ist jedoch auch Vorsicht geboten. „Grundsätzlich muss man das Training langsam aufbauen und steigern“ gibt Luttmann zu bedenken. Die Übungen kommen zwar aus dem natürlichen Verhalten, die Bewegungsabläufe sind aber nicht für alle Pferde selbstverständlich. Zirzensische Lektionen stellen für Pferde eine körperliche Belastung dar, die nicht unterschätzt werden darf. Muskeln und Sehnen müssen sich an diese Bewegungen genauso gewöhnen wie an andere Ausbildungs-Schritte – zum Beispiel Dressurlektionen oder das Springen. Die gute Nachricht lautet: Zirzensische Übungen können helfen die Beweglichkeit eines Pferdes zu verbessern und sogar zu einer erhabeneren Aufrichtung beitragen. Doch hier gilt, wie bei allen Ausbildungen: nichts geht schnell! Derartige Ziele sollten langfristig angelegt sein und sind nur bei sorgfältig durchgeführtem, langfristigem Training zu erreichen. Ein sanftes Training, das auf Dehnung und Streckung einzelner Partien abzielt und auf die Zirzensik vorbereitet, ist deshalb sinnvoll.

Spanischer Schritt
Der spanische Schritt, in der klassischen und barocken Dressur-Ausbildung gängige Lektion, ist eine Übung mit der Pferdebesitzer nach Meinung von Zirzensik-Ausbildern am wenigsten verkehrt machen können. Das Pferd hebt dabei in verlangsamter Schrittfolge die Vorderbeine abwechselnd bis zur Waagerechten an. Der renommierte Ausbilder Richard Hinrichs hält es sogar für möglich mit Hilfe dieser Lektion verspannte Pferde zu entspannen. „Der spanische Schritt dehnt den Rücken und lockert Schulter- und Bauchmuskeln“ beschreibt Dörte Luttmann die Wirkung der Lektion. Außerdem wird die untere Halsmuskulatur der Pferde gelockert, die häufig verspannt ist. Die Streckung von Schulter und Ellbogengelenk ist in der Regel für alle Pferde förderlich, da viele Pferde in diesem Bereich Verspannungen zeigen.


Bergziege

Bei der Bergziege genannten Übung stellt sich das Pferd mit den Vorderbeinen auf ein Podest, schiebt sich nach und nach mit den Hinterbeinen an das Podest heran und stellt sich schließlich mit den Hinterbeinen ebenfalls auf das Podest, wobei es sehr weit untertritt. Diese Übung ist bereits im 19. Jahrhundert als vorbereitendes Training für die Piaffe eingesetzt worden. „Die Bergziege fördert vor allem eine starke Balance und das Gleichgewicht“ erläutert Dörte Luttmann die Auswirkung der Übung. Durch die starke Aufwölbung wird die Oberlinie trainiert. Dehnung des Rückens und der Hinterhand sowie Mobilisierung der Wirbelsäule sind weitere vorteilhafte Effekte. Wichtig ist jedoch, dass die Wirbelsäule des Pferdes physiologisch keine Einschränkungen wie Kissing Spines zeigt.


Mehr zu diesem Thema lesen Sie in unserer Ausgabe 4 / 2011.